Rückblick - Zappanale #13


Zappanale #13

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Zappanale #13 - Bilder



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Zappanale 13 - 2002

Rockstars zum Anfassen

Die diesjährige Zappanale hatte sich so einiges vorgenommen. Es waren jede Menge Bands und Stars geladen, das Programm auf drei Tage ausgedehnt, ein Theaterstück geboten. Frank Zappa sei Dank sammelten sich etwa 1500 Leute, um seiner Musik zu lauschen, einen regen Gedankenaustausch zu pflegen, Platten zu kaufen, tauschen oder zu erraten, was, verflixt, da gerade für eine Platte lief...

Die Zappanale wurde ein Volltreffer
Das Festival, klein und fein, eines der besonderen Note.
Schon am Donnerstag gaben Daniel Rohr und das Theater "Neumarkt" imBad Doberaner Kamp-Theater das Stück "Alles über Frank" (für alle Zuspätgekommenen gab es am Freitag eine Wiederholung). DasEin-Personen-Stück mit reger Bandbegleitung und -beteiligung entfachteeine saugute Stimmung. Daniel Rohr in der Hauptrolle überzeugte vollkommen.

Die simplifizierten Zappa-Songs sprühten vor ironischer Komik, dieDaniel Rohr mit den ins Deutsche mit einem Augenzwinkern übersetztenTexte perfekt zu lebhaften Situationen verknüpfte. Er sang, flüsterte,redete und schrie - das urkomische Stück wußte das Publikummitzureißen. (Leider wird das Stück in Zürich nicht mehr gespielt, dieTruppe hat sich getrennt, zur 13. Zappanale wurden die beiden letzten Aufführungen gegeben.)

Zum Freitag füllte sich das Festivalgelände wie nie zuvor.
Gleich der erste Eindruck sprach von Professionalität. Die großeBühne (noch nicht für viele Zappanalen aufgebaut), Technik,Geländeplan, Toiletten, Duschen, Security, Merchandise-Zelt, Arzt undMitarbeiterzentrale.
-> von Jahr zu Jahr wird die Zappanale perfekter

Die begehrten Plattenstände waren aufgebaut, eine Vielzahl Imbiss- undBierbuden sorgte fürs leibliche Wohl. Die kleine Bühne, auf der in denUmbaupausen der großen Bühne Musik gespielt wurde, hatte genügendAbstand zur großen Bühne. Ein buntes Zirkuszelt mit Tischen und Stühlenbot Platz für etliche Freaks. Das ganze "Drumherum" war stressfrei undsehr einladend.

Am Freitag um 15 Uhr gab Jim Cohen,selbsternannter Zappaloge, einen deutschsprachigen Vortrag über FZsLyrik, dieses Jahr war "Roxy And Elsewhere" dran. Jim Cohen bringtseinen Vortrag stets mit einer unglaublichen Menge Humor rüber,anekdoten- und facettenreich, das man nachher gar nicht mehr weiß, wieviel nun Zappas Humor und wieviel Cohens war.

Als der Vortrag nach zwei Stunden endete, war längst nicht allesgesagt, das Publikum gebannt - es hätte noch weiter gehen können.Nirgends sonst kann man so viel Interessantes über Zappa, sein Lebenund seine Lyrik in Erfahrung bringen, wie bei einem Vortrag von JimCohen. Sein seltsames Outfit entsprach ganz dem ironischen Geist seinesVortrages, erst guckten die Leute Fragezeichen in die Luft - und dann grinsten sie...

Ziemlich "pünktlich" ging´s auf der großen Bühne los. "Dwarf Nebula & The Playground Psychotics" aus Deutschland hatten es schwer, als Opener das Publikum an die Bühne zu locken.

Jubel brach bei der Nachfolgeband "Cosmic Debris"aus Ungarn auf. Die scharf gewürzten Stücke und rasant gespieltenZappa-Songs waren von allerbester Qualität. Die Band bestand etwas aus10 Leuten, mehrere Bläser und Sänger vervollständigten das Rock-Lineup,hier war die Hölle los, das Auditorium tobte.

Danach die große Enttäuschung: Thana Harris/Don Preston/Mike Keneally waren schnell von der Bühne wieder runter, nachdem sie ätherischen Jazz in Publikum geseufzt hatten. Leider ging Mike Keneally, der grandiose Gitarrist (Zappa: "the best new guy, I ever had in the band") hier völlig unter. Keneally nahm´s gelassen und lachte über das ganze Gesicht. "The most friendly guy, we ever had at the Zappanale".

Thana Harris ging undhinterließ höchstens ein paar feuchte Träume, als Günter "Baby" Sommermit seinem "EUPHORIUM_freakestra" auf der Bühne eine leidenschaftliche,sehr abgefahrene Mischung aus avantgardistischen Free Jazz und eherangerissenen Rock-Versatzstücken spielte. Sehr anspruchsvoll und wild,aber auch sehr überzeugend. Vor allem der junge Gitarrist mit blondenLocken, tiefer Stimme und hübschem Selbstbewußtsein wußte sich in Szenezu setzen.

"Project Object" - die Band umIke Willis, Mike Keneally und Don Preston legte heftig nach. Sie gabenein gutes und gut gelauntes Konzert, bei dem Ike Willis sich teils wiesein früherer Brötchengeber gab.

Hoffentlich wird auf der kommenden Zappnale 13-CD ein schönes Teildavon präsent sein. (Ihr vielen Video-Freaks, hört ihr mich: ichbrauche eine Kopie eurer Aufnahmen!). Mittlerweile war es Nachtgeworden, die Bierstände waren fett umringt und die Plattenhändlerhatten alle Hände voll zu tun.

Ja, und am nächsten Tag, da ging´s in die Stadt, auf nach BadDoberan. Die Sonne schien in hellem Bayernblau, eine knorrige Eichespendete Schatten, Freaks aus 56 Nationen dieses seltsamen Planetentummelten sich um eine kleine Bühne und was war der Anlass? Frank Zappabekam ein Denkmal. Nichts neues unter der Sonne?
Zweifellos ist es ein unsagbarer Verlust, dass Frank Zappa bereitsins Nirvana aufgebrochen ist (und somit nicht dabei sein konnte). Doch eine illustre Schar ehemaliger Musiker und Angestellter des diktatorischen Rockstars boten für diesen Anlass einen beeindruckendenAusgleich: die angejahrten Grandmothers West, Mike Keneally, Thana Harris, Ike Willis, Scott Thunes, ein Zappa-befreundeter Journalist, nicht zuletzt Bruder Bob, Schwester Candy undundund...

Wer Lust hatte, konnte Musiker anquatschen, es gab keine Absperrzäuneoder Security, die Denkmalsenthüllung lief wie eine Rockshow in denfrühen Siebzigern. (Es wurden gar alte Groupies gesichtet!)

Als sich die Bühne füllte, konnte man dort neben "richtiglebendigen" Rockstars auch ein paar Politiker stehen sehen, die Kontaktzu Vaclav Havel (lag im Krankenhaus, ebenso Fritz Rau) hergestellt odersonstwie zur Hilfe gekommen waren und zu - kurzen - Reden anhuben.

Allerlei Leute gaben etwas zum Besten, so auch Bruder Bob undSchwester Candy, die Bruder Frank ihren persönlichen Helden nannte.Damit war sie wohl nicht ganz allein. So eine seltsame Feierlichkeitschlich sich ein, die immer wieder von Anekdoten, die dort oben jemandzum besten gab, der musikalischen Begleitung (unter anderem denGrandmothers West mit einem Freak-Out-Vokalstück) oder amüsanten Pannenunterbrochen wurde.

Als die Worte gesprochen, hin und her übersetzt und aus den Ohrenverschwunden waren, wurde das Denkmal enthüllt und eine blitzgewaltigeFotosession hub an. Ein völlig blau bemalter und lediglich mitLendenschurz und Blumenkrone bekleideter Freak erstürmte die Bühne,legte Franks Denkmal seine Blumenkrone auf und verschwand wieder in derMenge. Das nunmehr gekrönte Haupt nahm´s gelassen und ließ auch dasNasereiben über sich ergehen.
Da gab es so manch hartgesottene Kerle, denen Tränen in den Augenwinkeln standen...

Später fiel die Gemüseschlacht seltsamer Weise aus, irgendwiezerzauste sich das Publikum, die VIPs verschwanden und wer Lust daraufhatte, konnte sich in einem nahe gelegenen Pavillion eine kleine, feineZAPPA-Ausstellung mit Original-Vinyl-Alben, vielen Fotos und zur Schaugebrachten Zappa-Memorabilien zu Gemüte führen. Frank Torture hättesicher seine Freude gehabt.

Gegen 16 Uhr wurde das Festivalgelände auf der Galopprennbahn wieder eröffnet.
Die deutsche Band Landplage eröffnete mit Bluesrock und bluesigen Versionen von Zappa-Stücken, die nicht so arg kompliziert sind.

Anschließend spielte Pierrejean Gaucher mit Christophe Godin alsGitarrenduo ein sehr interessantes und anspruchsvolles Set, dem eineRockbackingband gut gestanden hätte. Pierrejean Gaucher´s Band spieltallerfeinsten Rockjazz, der sehr gut auf die Zappanale passt (zumBeispiel mit seinem Zappe Zappa - Programm).

Ossi Duri aus Italien enterten die Bühne, dazu gesellte sich Ike Willis. Das Set war nicht so wild und abgedreht wie einige Jahre zuvor, als die "Babyband" wie verrückt auf der Bühne ausflippte. Mit Ike Willis als Sänger/Gitarristen waren die Stücke sehr professionell, wirklich großartig!

Die Ed Palermo Big Band - für die Zappanale deutlich geschrumpft - mit Gast Mike Keneally, der grandiose Soli abfeuerte und Candy Zappaals Sängerin einiger Stücke, entwarf rasiermesserscharfe Saxophonsätzeund -soli auf hervorragender Rhythmusbasis. Die komplette Big Bandhätte einen noch satteren Sound gemacht, aber schon dieses Ensemble (4Bläser) überzeugte sehr.

Als danach die Lewinskys mit Scott Thunes und Mike Keneallyauf die Bühne traten, wurde eine bunte Show geboten. Zwar machten dieDamen ihrem Namen leider keine Ehre, gaben sich aber als nettesGeflügel und sangen countrywässrige Cowgirlsongs und einigeZappa-Stücke voll Inbrunst.

Musikalisch brach die Stimmung bei diesem Konzert tief ein, Scott Thunes hätte überhaupt nicht anwesend sein brauchen, so wenig war von ihm zu spüren und auch Keneallykonnte in diesem Lineup nicht überzeugen. Der Spaß war oberflächlich.Die biersatten Freaks jubelten zur Bühne hoch, war also alles bestens.

Nach viel zu langer, nervender Umbaupause spielten Ozric Tentacles.Der Psychedelic Space Rock hat mit Zappa nichts gemein, präsentiertesich aber überzeugend mit netter Lichtshow. Die introvertierten Britenwissen einen heftig bombastischen Sound mit Verve zu zelebrieren.

Am Sonntag musste es früh losgehen, das zeitliche Ende war vorgegeben, die Galopprennbahn musste nachts frei gemacht werden.
Das Jazzprojekt Hundehagen eröffnete dem müde dreinblickenden Publikum. Vaclav Cesak (der Schöpfer des Zappa-Denkmals) und seine Yahozna Band (Tschechien) spielten ausgezeichnet.

Die rein vokalen Beistelltische verblüfften und die sympatischen Schweden Arne Fruit Quartetrockten ein schräges Set ab. Deren Keyboarder gehört übrigens zurMats/Morgan Band, die im nächsten Jahr hoffentlich auf der Zappanalespielen werden, nein, müssen!!!

Das Nasal Retentive Orchestra mit Thana Harris (Frankreich/USA), darauf Lennon/Tabacco/Zappa und als Krönung die angejahrten und nicht mehr ganz so flinken Grandmothers West gaben ihre Konzerte und schneller, als man denken konnte, war dieser wundervolle Jahreshöhepunkt leider wieder vorbei.
Aber die Tage zur nächsten Zappanale sind schon gezählt...


Volkmar Mantei

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